Als während des Zweiten Weltkriegs zwölf Millionen Amerikaner für den Kriegsdienst eingezogen wurden, waren es Frauen, die vom Land in die Städte wanderten und den dortigen Mangel an Arbeitskräften in den Fabriken auszugleichen vermochten. Mit Beendigung des Krieges kehrten etwa elf Millionen Soldaten in die Vereinigten Staaten zurück und zur Folge hatte das, dass nun von den amerikanischen Frauen erwartet wurde, ihren außerhäuslichen Arbeitsplatz aufzugeben und wieder ihre angestammte Rolle als Hausfrau, Ehefrau und Mutter einzunehmen. Diese Entwicklung verweist darauf, wie sehr in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Streben nach Normalität mit der Rekonstruktion einer arbeitsteiligen und hierarchischen Geschlechterordnung einherging.
Jedoch waren nach 1945 viele Amerikanerinnen nicht bereit, ihre Erwerbsarbeit aufzugeben und ihre damit gewonnene Unabhängigkeit wieder gegen ein Hausfrauenleben einzutauschen. Dieser Widerwille löste, wie in diesem Beitrag aufgezeigt werden soll, in den unmittelbaren Nachkriegsjahren eine heftige Debatte über Geschlechterrollen aus, die nicht zuletzt durch die transnationalen Erfahrungen der in Deutschland stationierten GIs geprägt war. „Three out of every four American servicemen“, schreibt John Costello in seinem Buch Love, Sex and War, „had sexual intercourse overseas that were to influence the national image of romantic womanhood back home“.[1] Entsprechend stellte ein ehemaliger US-Soldat im American Magazine fest: „The war has given us the first chance to compare American girls with others.“[2] In einer armeeinternen Umfrage von 1945 gaben 51 Prozent der befragten GIs an, Kontakt zu „German Girls“ gehabt zu haben.[3]
Die aus Deutschland zurückgekehrten Soldaten priesen das Bild der traditionellen deutschen Hausfrau, das durch die „Fräuleins“, mit denen sie verkehrt hatten, geprägt wurde. Im unmittelbaren Vergleich von amerikanischen mit deutschen Frauen standen sich zwei Stereotype gegenüber: Einerseits das Klischeebild der emanzipierten, egoistischen amerikanischen Karrierefrau sowie andererseits dasjenige der unterwürfigen und hingebungsvollen deutschen Hausfrau. Das German Fräulein wurde als weibliches Ideal glorifiziert und im Gegenzug die als zu emanzipiert und dominant empfundene amerikanische Frau kritisiert. In der Debatte um Fraternisierung von amerikanischen GIs mit deutschen Frauen, die im Folgenden ausführlicher dargestellt werden soll, spiegelt sich somit der teils aggressiv geführte öffentliche Diskurs um den „richtigen Platz der Frau“ innerhalb der amerikanischen Gesellschaft wider.
In den Augen der amerikanischen GIs personifizierten die deutschen Frauen das weibliche Wunschbild. Dabei zeichnete sich das Fräulein durch traditionell „weibliche“ Verhaltensweisen wie Subordination und Gehorsam gegenüber dem Ehemann, Anspruchslosigkeit und bedingungslose Hingabe als Ehefrau, Beschränkung auf die häusliche Sphäre, hausfrauliche Fähigkeiten sowie ständige sexuelle Verfügbarkeit. Diese weiblichen Ideale offenbaren sich nicht zuletzt in armeeinternen Umfragen aufs deutlichste: „Die deutsche Frau ist die beste von allen. Sie allein versteht es, einen lockeren, freien Lebenswandel mit einer Würdigung all dessen zu verbinden, was männlich ist. Die deutsche Frau ist wesentlich sauberer als die Französin und weniger auf ihren Vorteil bedacht, gefügiger und besser gekleidet als die Engländerin und weniger anspruchsvoll als die Amerikanerin. Außerdem ist sie eine gute Köchin und Geliebte.“[4]
Ein wesentlicher Punkt, den amerikanische GIs immer wieder bei deutschen Frauen hervorhoben, war die Akzeptanz, sich dem Mann völlig unterzuordnen. Ein derartig hierarchisches Geschlechterverhältnis manifestierte sich im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland vor allem in den Beziehungen zwischen Besatzern und einheimischen Geliebten, innerhalb derer die GIs die traditionelle männliche Ernährer- und Beschützerrolle einnahmen. Dafür, dass die amerikanischen Soldaten an dieser herkömmlichen Rollenverteilung Gefallen fanden, zeigte Merrill Pannit, Journalistin des Ladies’ Home Journal, großes Verständnis: „Nothing is more satisfying to a man than to be considered within reason the lord and master. […] The American soldier found women competing for his attention and, having attracted him, depending upon him for support and guidance.“[5]
Dieses Rollenverständnis würde jedoch bei der Rückkehr der amerikanischen Soldaten in ihre Heimat in Frage gestellt, da Amerikanerinnen im Gegensatz zu ihren deutschen Geschlechtsgenossinnen nach Gleichberechtigung innerhalb der Beziehung strebten: „When the Americans came along they found women who just looked as if they needed a big, strong protecting male to care for them“, umschrieb Pannit die Erfahrungen amerikanischer GIs in Deutschland und fügte hinzu: „There may be a little difficulty when the veterans of the European war return to the independence and matter-of-factness of American girls.“[6] Im Frühjahr 1946 heizte ein Artikel in der New York Times mit dem Titel „The American Woman? Not for this GI!“ die Debatte über Geschlechterrollen zusätzlich an. Darin kritisierte der Journalist und ehemalige Deutschland-Korrespondent Victor Dallaire, amerikanische Frauen seien zu dominant und hätten ein Problem damit, sich dem Mann unterzuordnen und ihren „richtigen Platz“ einzunehmen. Die Frauen jenseits des Atlantiks hingegen würden sich ihrem weiblichen Naturell entsprechend dem Mann unterordnen, was ihm vor allem beim direkten Vergleich während einer Konversation im größeren Kreis aufgefallen sei: „The American girls would insist on a loud and full share of the conversation […] while [the European] girls would let the men do most of the talking, adding only a word or two now and then show their interest. Or they would get into appreciative peals of laughter at the right moments.”[7]
Der Artikel löste in den darauf folgenden Wochen eine Flut von Leserbriefen aus, in denen das „richtige“ Frauenbild kontrovers verhandelt wurde. Aber auch in anderen Printmedien wurde die Debatte fortgesetzt. In seinem im American Mercury veröffentlichten Artikel „Why Americans Like German Women“ stellte der US-Offizier Saul Padover fest, dass Amerikaner vor allem deshalb so von dem traditionellen Rollenverständnis deutscher Frauen angetan seien, weil sie deren Rollenbild von zu Hause nicht gewohnt seien. „Accustomed as they were to the […] domineering-demanding ones back home, the GIs found the Fräuleins in possession of enough qualities to make many a male wax eloquent.“[8]
Als Beleg für seine These fügte Padover folgende Aussage eines in Deutschland stationierten Sergeants an, welcher die bedingungslose Unterordnung deutscher Frauen, die unabhängig von ihrer sozialen Herkunft sei, hervorhob: „American women are spoiled and conceited. […] But these Germans. […] They know how to treat a guy. Take my girl for example. She’s much better educated than I am and comes from a better family than I do. She’s a real lady, yet when I got up in the morning I find my shoes shined and my trousers pressed. Can you imagine an American woman doing that for you?”[9]
In der amerikanischen Debatte über GIs und deutsche Frauen wurde immer wieder akzentuiert, dass das Fräulein die traditionelle Geschlechterordnung im Unterschied zur amerikanischen Frau gar nicht erst in Frage stelle.
Das Bild der dem klassischen Rollenverständnis entsprechenden deutschen Frau erfährt auch in William Gardner Smiths’ Besatzungsroman Last of the Conquerors eine Aktualisierung. Darin wird Ilse, die deutsche Freundin des afroamerikanischen GIs Hayes, als „Klischee einer blonden deutschen Hausfrau“[10] dargestellt. Als Hayes Ilse in der Küche wie selbstverständlich beim Abwaschen helfen möchte, reagiert Ilse entsetzt: „Ilse looked at me in horror. ‚You? Darling, you joke.’ ‚No. I want to help. Let me dry the dishes.’
Her eyes were wide. ‚Darling, a man does not do the dishes. Ach, no man should touch the dishes. That is for the Hausfrau. In America would the man do the dishes?’ ‚Yes.’ ‚Ach. I cannot understand that. No German man would do the dishes. No German woman would want him to.’ I need to change my citizenship, I thought.”[11]
Für viele amerikanische Männer war es offenbar selbstverständlich, bei Tätigkeiten im Haushalt mitzuhelfen.[12] Erst in Deutschland merkten zahlreiche GIs, dass dieses Verhalten in anderen Ländern keineswegs natürlich war und zum Teil sogar als anstößig empfunden wurde, da diese Tätigkeit aus deutscher Sicht die traditionelle Rollenverteilung in Frage stellte. Vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung in Deutschland begannen US-Veteranen nun das amerikanische Prinzip der Arbeitsteilung im Haushalt vehement zu hinterfragen. „It is“, so ein Literaturkritiker in einer Rezension von Smiths’ Roman über die Lobpreisung deutscher Frauen, „a constant refrain […] by veterans of foreign service. […] It is curious that the other war should have produced novels of revolt against armies and bloodshed whereas the new one seems to be producing novels of revolt against American women.“[13]
In der amerikanischen Nachkriegszeit wurde überdies das Bild vom Glamourgirl, das die 1940er Jahre hindurch zahlreiche Hollywood-Produktionen prägte, scharf angegriffen. Durch dieses Rollenbild beeinflusst, hätten Amerikanerinnen, so die Meinung einiger Kommentatoren, eine besonders hohe Anspruchshaltung an den Tag gelegt. „Being nice is almost a lost art among American women“ – zu diesem Schluss kam Victor Dallaire, Autor des bereits zitierten New York Times-Artikels „The American Woman? Not for this GI!“. Dieser Ansicht sekundierte 1946 der ein Jahr zuvor in Deutschland stationierte Korrespondent Julian Bach in seinem Buch America’s Germany: „In no other culture have women demanded so much attention and respect, tried so hard to make men conscious of their wishes.”[14] Diesem vorgeblich divenhaften Auftreten amerikanischer Frauen wurde demonstrativ die genuin weibliche Anspruchslosigkeit ihrer deutschen Geschlechtsgenossinnen gegenübergestellt: „There’s a certain simplicity and genuineness about the […] girl, we don’t remember in the girls back home. […] I seem to recall that a lot of American girls want to be entertained all the time. They want to be taken to a dance or a movie or out for dinner. Something’s got to be happen all the time.”[15]
Auch Victor Dallaire, seinerseits ehemaliger GI, betonte die angenehme Bescheidenheit und Selbstlosigkeit deutscher Frauen: „They ask for little and give much. American women de-mand much but give little.“[16] Diese Form der bedingungslosen Hingabe wurde als typisch weibliches Verhaltensmuster interpretiert, welches amerikanischen Männer in ihrer Heimat vermissten. „We’ve been flattered abroad more than we’ve ever been flattered at home“, gab ein ehemaliger US-Soldat zu Wort: „In European countries, a man is considered much more ,the boss‘ than he is in America. Women defer to him more; they bring him his slippers; they go out their way to please him – in food, in comfort, in other ways.”[17] Dass diese Unterwürfigkeit auch etwas mit dem Abhängigkeitsverhältnis und ökonomischen Gefälle zwischen Besatzern und Besetzten zu tun gehabt haben könnte, wurde innerhalb der Diskussion jedoch geflissentlich ausgeblendet.
Darüber hinaus kritisierten in der direkten Nachkriegszeit viele zurückgekehrte GIs, ihre amerikanischen Ehefrauen würden ihrem eigentlichen Job als Hausfrau und Mutter nicht mehr gerecht werden. So führte das Magazin Ladies’ Home Journal 1945 eine Umfrage unter ehemaligen US-Soldaten durch, die sich zutiefst über ihre Ehefrauen beklagten: „She has done a poor job in disciplining the children, […] she cooks breakfast in pyjamas with her hair uncombed, […] she does a sloppy job of housekeeping.“[18] Deutsche Frauen hingegen entsprachen aus Sicht der amerikanischen Besatzungssoldaten dem Ideal einer tüchtigen und fähigen Hausfrau. Die Kolumnistin der Washington Post, Malvina Lindsay, thematisierte dieses Ideal in zahlreichen ihrer Beiträge: „German girls’ domesticy and clinging vine attitudes, it seems have aroused much admiration among Americans occupation troops.“[19] Amerikanische Besatzungssoldaten seien fasziniert von dieser Art traditioneller Weiblichkeit, „GI Bill says [...] German frauleins [sic!] symbolize the wholesome old-fashioned, domestic girl who was willing to stay home and bake a cherry pie.“[20] Amerikanerinnen wurden hingegen als „Business Amazons“[21] beschrieben, die mit aller Macht nach Gleichberechtigung in sämtlichen Lebensbereichen strebten. „Their idea of equality is to enjoy all the rights men are supposed to have.”[22] Entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung würden Amerikanerinnen nach Gleichberechtigung, Karriere und einflussreichen Positionen streben, während sich die Frauen auf der anderen Seite des Atlantiks ganz ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter widmeten: „While American women insist on a big share in the running of things, few European women want to be engineers, architects or bank presidents. They are mainly interested in the rather fundamental business of getting married, having children and making the best homes their means or conditions will allow. […] Husband and family have a No. 1 priority.”[23] Das Bild der traditionellen deutschen Hausfrau symbolisierte somit für amerikanische Soldaten die Rückkehr zur „Normalität“, nach der sie sich nach den gewaltsamen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sehnten.
Neben der Akzeptanz der traditionellen weiblichen Rolle und der bedingungslosen Hingabe und Unterordnung wurde bei den deutschen Frauen eine weitere genuin „weibliche“ Eigenschaft hervorgehoben, welche die US-Soldaten bei ihren girls back home vermissten: Ständige sexuelle Verfügbarkeit. Amerikanische Besatzungssoldaten verglichen ihr „schwer zu erringendes amerikanisches Mädchen“[24] mit den deutschen Frauen, die in den Nachkriegsjahren eine aktive Sexualität verfolgt hätten. So stellte Saul Padover 1946 fest: „What the GIs liked most about the Fräuleins was that they knew how to treat men as males everywhere dream of being treated, with feminine deference and sexual approachability.”[25] Dass sich aufgrund der katastrophalen Ernährungssituation in Deutschland ein Abhängigkeitsverhältnis zu amerikanischen Soldaten herausbildete und die Grenzen zwischen Liebe und Prostitution verschwammen, wurde in der Debatte allerdings ignoriert. Stattdessen bildete sich in der amerikanischen Wahrnehmung das Klischee der sexuell jederzeit verfügbaren Frau heraus: „From the moment he crossed the boarder he was submerged in a sea of willing Fräuleins. [...] If he wanted a girl, he had only to stop his jeep.“[26] Auch hier wurde die sexuelle Freizügigkeit deutscher Frauen mit den Frauen aus dem puritanisch geprägten Amerika verglichen. In dem 1947 im Negro Digest erschienenen Artikel „What Negro GIs Learned From Women in Europe“ heißt es unter anderem: „,[O]ver there‘ sex comes out in places you’d never dream women had if you’ve spent all your time with women ‚over here‘.“[27] Amerikanische Frauen wurden dagegen als sexuell verklemmter bezeichnet, während die Fräuleins unverkrampfter seien: „Her idea of the amount of flesh to be shown during off-beach hours is more liberal than that of her American sisters.“[28] In einem Leserbrief an die New York Times bewertete ein ehemaliger GI diese Freizügigkeit positiv und bezeichnete die deutschen Frauen als „refreshingly candid“. Im Gegensatz dazu sei die durchschnittliche Amerikanerin eine „sex-inhibited creature.“[29] Die sexuelle Verfügbarkeit deutscher Frauen wurde auch in John Dos Passos’ Reportagensammlung In the Year of Our Defeat thematisiert. Der Schriftsteller hatte als Reporter des Magazins Life Berichte über die amerikanische Besatzung in Deutschland verfasst und 1946 als Buch herausgegeben. Darin schilderte er unter anderem, wie sich auf dem Heimweg befindliche Veteranen über ihre Erfahrungen im besetzten Deutschland unterhalten: „,Jesus Maria, so oft habe ich es nie in meinem Leben gemacht‘, sagt eine Stimme aus der Dunkelheit. ‚In Deutschland hättest Du sein müssen, Junge, da hebst Du nur den kleinen Finger, und schon spreizen sie die Beine.‘“[30]
Hierbei spielten freilich die puritanischen Wurzeln der amerikanischen Gesellschaft, in der Sexualität mit Tabus behaftet war, eine markante Rolle. Darüber hinaus waren in den Vereinigten Staaten der 1940er Jahre die Verhaltensregeln des dating klar festgelegt. Ein Ratgeber aus den 1940er Jahren warnte etwa vor „girls who [try] to usurp the right of boys to choose their dates.“ Amerikanische Frauen sollten unter keinen Umständen eine aktive Partnerwahl betreiben: „You will control your impatience […], and respect the time-honored custom of boys to take the first step.“[31] Die deutsche Filmhistorikerin Annette Brauerhoch versucht die Faszination, die deutsche Frauen auf GIs ausübten, ebenfalls mit den kulturellen Unterschieden bezüglich geschlechtsspezifischer Umgangsformen zu erklären: „Für die amerikanischen Soldaten setzten die deutschen Frauen mit ihrem Lebens- und Sexualhunger alles an Beziehungsmustern außer Kraft, das sie vom Umgang mit amerikanischen Frauen, und vor allem aus der Praxis des ‚dating‘ kannten.“[32]
Der amerikanische Geschlechterdiskurs wurde auch in der filmischen Verarbeitung der Fraternisierung zwischen deutschen Frauen und amerikanischen Soldaten reflektiert. Auch hier war die Botschaft deutlich: Nur durch die Rückbesinnung auf ihre Weiblichkeit könne es der amerikanischen Frau gelingen, ihren Mann zurück zu gewinnen. Der 1935 in die USA emigrierte österreichische Regisseur Billy Wilder griff in seinem 1948 veröffentlichten Film A Foreign Affair diesen Geschlechterdiskurs auf. Der Film kann somit ebenfalls als ein Ausdruck der Debatte über den „richtigen Platz“ der Frau betrachtet werden. In diesem Film repräsentiert Phoebe Frost, eine amerikanische Kongressabgeordnete aus Iowa, das negative Abbild der amerikanischen Karrierefrau: ehrgeizig, hart arbeitend, humorlos und verklemmt. Ihre Gegenspielerin Erika von Schlütow, gespielt von Marlene Dietrich, verkörpert hingegen das Bild des deutschen Fräuleins: weiblich, sinnlich, verführerisch – und abhängig von einem Mann. Erika von Schlütow hat eine Affäre mit Captain John Pringle, der die Rolle ihres Ernährers einnimmt, indem er sie mit Rationen der US-Armee versorgt. Darüber hinaus fungiert er auch als ihr Beschützer, indem er ihr dabei hilft, ihre nationalsozialistische Vergangenheit zu vertuschen. Im Laufe des Filmes steht Captain Pringle zwischen den gegensätzlichen Charakteren Phoebe Frost und Erika von Schlütow und muss sich schließlich für eine der beiden Frauen entscheiden. Die um die Gunst US-Offiziers ringende Erika von Schlütow macht bei ihrer ersten Begegnung mit Phoebe Frost ihre amerikanische Kontrahentin auf deren Mangel an Weiblichkeit aufmerksam: „I see you do not believe in lipstick. And what a curious way to do your hair. Or rather, not to do it.“ Hiervon beeindruckt, versucht Phoebe Frost schließlich, Captain Pringle mit einer Rückbesinnung auf ihre Weiblichkeit für sich zu gewinnen. Sie beginnt, sich zu schminken und tauscht auf dem Berliner Schwarzmarkt symbolisch ihre Schreibmaschine gegen ein Abendkleid. Die Schreibmaschine fungiert dabei als Symbol der Karriere – und wird dabei eingetauscht gegen ein Kleid, dem Sinnbild von Weiblichkeit. Am Ende des Filmes entscheidet sich Captain Pringle letztlich für Phoebe Frost. Petra Goedde stellt in ihrer Studie GIs and Germans in Bezug auf den Film A Foreign Affair fest: „The re-feminization of Phoebe Frost, her turning away from a career as a politician to that of a wife and potential mother, mirrored the postwar desire of most Americans to return to more traditional forms of gender roles.“[33]
Wie in den unterschiedlichen Quellen deutlich wird, spiegelt sich in der Debatte um GIs und deutsche Frauen der amerikanische Diskurs um Geschlechterrollen wider. Die Konsequenzen aus der Diskussion wurden unterschiedlich beurteilt. Auf der einen Seite wurden einige Eigenschaften deutscher Frauen als weibliches Ideal gepriesen, an dem sich amerikanische Frauen orientieren sollten. Gegen diese glorifizierende Sichtweise regte sich aber auch Widerstand. So argumentierten Gegner dieses weiblichen Rollenbildes, die Bereitwilligkeit deutscher Frauen sei in erster Linie auf ihre untergeordnete Stellung im Nationalsozialismus zurückzuführen.[34] Das deutsche Frauenbild sei Spiegel einer faschistischen Gesellschaftsordnung, die man als Verfechter der Demokratie strikt abzulehnen habe. So stellte die Washington Post-Kolumnistin Malvina Lindsay mit Blick auf die Debatte fest: „There appears to be much masculine response to the Nazi ideal of feminine submissiveness an ideal contrary to the democratic conception of partnership between men and women.“[35] Die New York Times-Korrespondentin Tania Long kam ebenfalls zu dem Schluss, dass das traditionelle Geschlech-terverhältnis, von dem GIs in Deutschland so fasziniert seien, einen faschistischen Charakter aufweise: „Twelve years of Nazi teaching super-imposed on the German woman’s natural leaning toward a life made up only of ,Kinder, Kirche, Kueche‘ […]. The typical Hausfrau […] frowned on any such ‚international-Jewish-plutocratic‘ concepts as equality between the sexes.“[36] Auch Malvina Lindsay lehnte das traditionelle deutsche Frauenbild vehement ab: „The hausfrau tradition in its narrowest sense has been about as deeply rooted in Germany as has militarism. It helped Hitler pushing women out of jobs and relegate them to the kitchen and to a subservient role in German life.“[37] In der Debatte ergriff auch ein Europäer Partei für seine amerikanische Ehefrau: „I find the American woman’s way of issuing a challenge irresistible.“ Das amerikanische Frauenbild wurde in diesem Zusammenhang verteidigt und als demokratische Alternative präsentiert: „These goddesses of liberty were so outspoken that they even expressed opinions on politics. [...] [German women] defer like a well-schooled cho-rus of sycophants to the whims of their masters.“[38]
In Deutschland stationierte GIs stellten die Emanzipation amerikanischer Frauen während des Zweiten Weltkriegs in Frage, da sie im besetzten Deutschland ein vermeintlich traditionelleres Frauenbild kennen gelernt hatten. Die politische Konstellation zwischen Sieger und Besiegten hatte das ungleiche Geschlechterverhältnis zusätzlich zementiert. Vor Ort stationierte GIs hingegen ignorierten in der Diskussion ökonomische Ursachen und glorifizierten das deutsche Fräulein als weibliches Ideal. Ebenso hoben auch einige amerikanische Kommentatoren und Kommentatorinnen deutsche Frauen als positives weibliches Rollenmodell hervor und kritisierten die Emanzipation amerikanischer Frauen während des Zweiten Weltkriegs. Das Bedürfnis vieler amerikanischer Frauen, die während des Krieges erlangte finanzielle und materielle Unabhängigkeit beizubehalten, stieß damit auf breites Unverständnis. Wenngleich sich auch kritische Stimmen regten und in dem idealisierten Fräulein den Ausdruck nationalsozialistischer Frauenbilder erkannten, propagierte die Mehrheit der amerikanischen Kommentatoren und Kommentatorinnen eine Rückkehr zum althergebrachten weiblichen Rollenbild. Nur wenn die amerikanische Frau sich auf ihre stereotypische Rolle als Hausfrau, Ehefrau und Mutter zurückbesinnen würde, lautete die weit verbreitete Ansicht, konnte sie „GI Joe“ zurückgewinnen. Der Stereotyp der klassischen deutschen Hausfrau diente in der Debatte als Vorbild und Kontrastfolie. Die Beziehungen zwischen amerikanischen Besatzungssol-daten und deutschen Frauen reflektierten somit den amerikanischen Geschlechterdiskurs und beeinflussten ihn gleichzeitig essentiell.
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[1] Costello (1986), S. 351.
[2] Dolch (1946), S. 139f.
[3] Stouffer u.a. (1949), S. 569.
[4] Zitiert in Domentat (1998), S. 56.
[5] Pannit (1945), S. 157.
[6] Ebd., S. 150.
[7] Dallaire (1946), S. SM8.
[8] Padover (1946), S. 356.
[9] Ebd.
[10] Meyer (1994), S. 186.
[11] Smith (1973), S. 181. Der Geschlechterdiskurs hat innerhalb der afroamerikanischen Familie eine besondere Bedeutung, auf die ich hier nicht weiter eingegangen werden kann. Historiker haben aufgrund der Sklaverei und der Fragilität der afroamerikanischen Familie die mittlerweile in Frage gestellte These einer besonders dominanten Rolle der schwarzen Frau konstruiert. Vgl. dazu Collins (2004), S. 59-61; Finzsch / Horton / Horton (1999), S. 196.
[12] Laut einer Umfrage des Ladies’ Home Journal gaben 59 Prozent der befragten Frauen an, ihre Ehemänner würden im Haushalt mithelfen, vgl. dazu auch Werbeanzeigen in Life, Bd. 19, Nr. 8 (20. August 1945), S. 107; Ladies’ Home Journal, Februar 1945, S. 121.
[13] Cowley (1948), S. 33.
[14] Bach (1946), S. 72.
[15] Dolch (1946), S. 45.
[16] Dallaire (1946), S. 51.
[17] Dolch (1946), S. 139.
[18] Anonym (1945), S. 41.
[19] Lindsay (1946a), S. 6.
[20] Lindsay (1946b), S. 12.
[21] Dallaire (1946), S. SM8.
[22] Ebd.
[23] Ebd.
[24] Barden (1950), S. 151.
[25] Padover (1946), S. 356.
[26] Richard (1946), S. 5.
[27] Stewart (1947), S. 26.
[28] Dallaire (1946), S. SM8.
[29] Anonym (1946), S. 95.
[30] Dos Passos (1999), S. 122f.
[31] Zitiert in Bailey (1988), S. 20.
[32] Brauerhoch (2006), S. 68.
[33] Gödde (2003), S. 117.
[34] Zur Rolle der Frau im Nationalsozialismus vgl. Koonz (1987), Heinsohn/Vogel/Weckel (1997), Stephenson (2001) u. Steinbacher (2007).
[35] Lindsay (1946a), S. 6.
[36] Long (1945), S. 89.
[37] Lindsay (1948), S. 6.
[38] Charles (1946), S. SM11.
Hanna Ender M.A. hat Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Amerikanistik an der Universität Bremen und der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Der Titel ihrer Magisterarbeit lautet: "'Foreign Affairs' - Die US-Debatten über GIs und Fräuleins als Spiegel inneramerikanischer Nachkriegskonflikte (1944-1948)". Derzeit arbeitet sie als Hörfunkjournalistin in Berlin und Los Angeles.
Bitte zitieren Sie nach der pdf-Version.
Wir schlagen folgende Zitation vor: Ender, Hanna (2010): „The American Woman? Not for this GI!“ – GIs, Fräuleins und der Geschlechterdiskurs in den USA, in: fastforeword 1-10, S. 18-28.