1-10: Geschlechterordnungen

Die neue Ausgabe von fastforeword widmet sich einem inzwischen zwar klassischen, ohne Abstriche aber stets aktuellen Thema: den Geschlechterordnungen (in) der Moderne. Geschlechterordnungen werden medial erzeugt, verselbständigen sich, führen ein Eigenleben, werden evident und wirkmächtig. Sie haben handfeste politische und wirtschaftliche Effekte.
Silke Förschler fragt in ihrem Aufsatz zu den Geschlechterbildern in populären, 'orientalistischen' Lithografien des 19. Jahrhunderts nach der Bedeutung medialen Wandels für die zu sehen gegebenen Geschlechterverhältnisse. Sie geht der Frage nach, ob mit dem neuen Medium der Lithographie sowie der damit verbundenen Beschleunigung der Bildproduktion und -distribution auch eine Vervielfältigung der Bildmotive und Pluralisierung der Geschlechterpositionen einherging. Hanna Ender rekonstruiert in ihrem Beitrag die Spannungen und Verschiebungen innerhalb des US-amerikanischen Geschlechterdiskurses im Gefolge des Zweiten Weltkriegs. Sie analysiert die Dimensionen eines Konflikts, der aus dem Aufeinanderprallen verschiedener Erfahrungen während des Kriegs resultierte: Die amerikanischen Frauen eroberten im Krieg für sich Freiheitsräume, während die GIs mit dem traditionalistischen Idealbild der deutschen Fräuleins zurückkehrten. Anica Jahning begibt sich mit ihrem Aufsatz ebenfalls in die Untiefen der US-amerikanischen Gesellschaft. Sie folgt den antifeministischen Debatten innerhalb der Southern Baptist Convention seit den 1980er Jahren und bewegt sich damit auf einem Feld, in dem Religion, Politik und Geschlechterverhältnisse vielfach miteinander verwoben sind und wechselseitig instrumentalisiert werden. Astrid Nelke thematisiert den Zusammenhang von Geschlecht und Kommunikation in gegenwärtigen Unternehmenskontexten. Sie geht dabei den Fragen nach, ob sich geschlechtsspezifische Kommunikationsmuster zeigen oder ein je spezifisch geschlechtlich konnotiertes Kommunikationsverhalten mögliche Karrierewege beeinflusst.
Auch im Rezensionsteil dieser Ausgabe geht es um Geschlechterordnungen, wenn auch gegenüber den Aufsätzen mit leichter Akzentverschiebung zugunsten des Problemfelds 'Männlichkeit'. Andreas Schneider bespricht Claudia Bruns' umfangreiche Studie zur Geschichte des Männerbunds in Wissenschaft, Politik und Jugendkultur, während Vojin Saša Vukadinović einen Blick in Martin Lückes Arbeit zu Homosexualität und männlicher Prostitution in Kaiserreich und Weimarer Republik riskiert.
Die Klassikerrubrik zeigt sich wandlungsfähig. Statt diesmal selbst einen Klassiker vorzustellen, schauen wir anderen dabei über die Schulter. Anette Schlimm nimmt in ihrer Sammelrezension verschiedene Versuche unter die Lupe, Klassikereditionen für die Geschichtswissenschaft zusammenzustellen.
 
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